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Aufklärung von Kindern – so machst du es richtig

Wir erinnern uns alle an die Geschichten, die uns erzählt wurden, als wir noch jung waren - die Biene und die Blume oder der Storch, der die Kinder bringt. Aber wie sollte man Kinder auf eine sinnvolle Art und Weise aufklären? In welchem Lebensalter sollten Kinder was über Sex wissen? Durex hilft bei der Aufklärung – ein Thema, vor dem es vielen Eltern graut. Hier erhältst du das nötige Wissen, um mit deinen Kindern ungezwungen über das Erwachsenwerden, Sex und Beziehungen zu reden.  

Warum die sexuelle Aufklärung von Kindern wichtig ist

Bei Durex setzen wir uns für sicheren und großartigen Sex sowie ein gesundes und respektvolles Ausleben von Beziehungen ein. Die zwanglose und informative Aufklärung von Kindern ist nicht nur Schlüssel zum Wissen über Sex, sondern auch wichtig für die Entwicklung einer offenen und ehrlichen Beziehung zwischen Eltern und Kind. Das Wissen über Sexualität ist nicht nur auf sozialer Ebene von Bedeutung, sondern auch auf persönlicher. Das nötige Wissen, das bei der Aufklärung vermittelt wird umfasst u.a. Kenntnisse über die Unterschiede zwischen Mann und Frau, über verschiedene sexuelle Orientierungen sowie ein Verständnis über soziale Gepflogenheiten hinsichtlich Privatsphäre und Nacktheit.     

Grundlage für ein angenehmes Aufklärungsgespräch ist die Berücksichtigung des Alters des Kindes. Gestalte die Aufklärung des Kindes altersgerecht und erkläre die Dinge so, dass ein Kind sie verstehen kann. Im Folgenden findest du Anregungen darüber, über welche Themen du in welchem Lebensalter mit dem Kind sprechen kannst.  

2-4 Jahre: Kleinkinder sind sich normalerweise bereits darüber bewusst, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt. Häufig stellen sie auch neugierig Fragen dazu. [1] In diesem Alter ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn die Kinder sich an ihre Genitalien greifen und wissen möchten, was das zwischen den Beinen genau ist und wie man es nennt. Laut der Psychologin Dona Matthews ist es das Beste, vom Kleinkindalter an ehrlich mit dem Kind zu reden: Wenn ein Kind beim Sprechen über bestimmte Körperteile in Verlegenheit kommt, traut es sich wahrscheinlich auch nicht, Fragen darüber zu stellen. [2] Um Kinder in diesem Alter mit Gefühlen und der Idee einer Beziehung vertraut zu machen, kannst du ihnen Geschichten vorlesen, die von diesen Themen handeln. 

5-6 Jahr: Kinder im Alter von 5-6 interessieren sich eher für den menschlichen Körper und die Frage, wie Babys entstehen, als für Sex. [3] Laut Familienverbänden sollten Kindern in diesem Alter verstehen, dass ein Baby durch einen Mann und eine Frau gezeugt wird und die Mutter dieses in ihrem Bauch austrägt.3 Wenn Kinder weiterführende Fragen diesbezüglich stellen, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass die bis dahin gegebenen Informationen für das Kind noch nicht verständlich oder greifbar genug sind. Damit sich dein Kind den Zeugungsvorgang besser vorstellen kann, könntest du z.B. erklären, dass ein Samen des Vaters und ein Ei der Mutter zusammenkommen und an einem besonderen Teil im Bauch der Mutter, der Gebärmutter heißt, zu einem Baby heranwachsen.

Im Alter von 5-6 Jahren kann es auch passieren, dass Kinder sich für eher pubertäre Themen, wie die Periode oder feuchte Träume, interessieren. Auch wenn viele Eltern denken, dass derartige Themen eher später im Rahmen der Aufklärung besprochen werden sollten, raten einige Experten dazu, den Kindern diese Fragen zu beantworten. Dies sollte aber nicht in einem gesonderten und möglicherweise zwanghaften Termin stattfinden. [4] Auch wenn dir als Mutter oder Vater Fragen von deinem Kind wie z.B. „Warum ist mein Piepmatz plötzlich so groß?” unangenehm sind, solltest du diese beantworten. Erkläre deinem Sohn z.B., dass der Körper ständig durchblutet wird, aber manchmal etwas mehr Blut als gewöhnlich in den Penis gelangt und dieser deshalb größer wird. Das sei etwas völlig normales, das allen Jungen und Männern passieren könne, sogar wenn diese noch Babys sind.

Auf persönlicher Ebene ist es im Alter zwischen 5-6 an der Zeit, dem Kind klarzumachen, welche Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit und im Privaten angemessen sind: Für Kinder ist es normal, mit den Genitalien zu spielen oder diese anderen Kindern zu zeigen. [5] Die Kinder sollten in diesem Alter allerdings begreifen, dass die Genitalien etwas sehr Intimes sind und daher von niemand anderem berührt werden sollten. Mach dies deinem Kind deutlich, indem du es z.B. ganz einfach frägst: “Warum sagen wir zum Piepmatz auch Intimbereich? Weil diese Stelle etwas sehr intimes und privates ist, die außer dir niemand anderes anfassen soll!“

6-8: Jahre: Das Grundschulalter eignet sich aus verschiedenen Gründen zur sexuellen Aufklärung von Kindern. In diesem Alter entwickeln die Kleinen langsam ein Verständnis von Sex, sind aber noch nicht so beschämt, darüber zu reden, wie ältere Kinder. Für ein ungezwungenes Aufklärungsgespräch kannst du dir daher die natürliche Neugierde deines Sohnes oder deiner Tochter zu Nutze machen. Im Rahmen der Aufklärung können dabei z.B. Fragen wie „Was ist Sex?“ oder „Was ist ein Kondom?“ thematisiert werden. Damit das Gespräch möglichst angenehm wird und du dein Kind nicht in Verlegenheit bringst, solltest du derartige Fragen als etwas ganz Natürliches behandeln. [6] Scheue dich nicht, z.B. die Fragen nach dem Kondom mit einer Formulierung wie folgender zu beantworten: „Ein Kondom besteht aus dünnem Gummi. Man benutzt es, indem man es wie einen Mantel auf dem männlichen Penis abrollt. Wenn Sperma aus dem Penis austritt, bleibt dieses im Kondom und kann nicht austreten. Wenn ein Mann mit einer Frau Sex hat, kann das Sperma also nicht mehr in die Frau gelangen. Somit ist es nicht mehr möglich, dass die Frau schwanger wird. Außerdem schützen Kondome Menschen vor sexuell übertragbaren Infektionen.”[7]

Es ist ganz normal, dass einige Kinder ihre Neugierde in Bezug auf Sexualität offener äußern als andere. Wenn dein Kind Fragen zum Thema Sexualität oder Beziehung nicht offen stellt, bedeutet dies nicht, dass es sich nicht mit solchen Fragen beschäftigt. Ruhigere Kinder benötigen möglicherweise einen langsameren und einfühlsameren Einstieg – die Aufklärungsthemen sollten aber diskutiert werden - auch wenn dies bedeutet, dass du das Gespräch eröffnen musst. Wenn du und dein Kind z.B. auf der Straße oder im Fernsehen ein Baby sehen, könntest du es anschließend fragen, wo es denn denkt, dass Babys herkommen – auf diese Weise wirkt das Gespräch nicht unnatürlich und es lässt sich feststellen, was das Kind bereits über Sexualität weiß. Um das Gespräch zu vertiefen, könntest du Missverständnisse oder Wissenslücken ausräumen. Weise z.B. darauf hin, dass Babys nicht im Bauch der Mutter heranwachsen, sondern in einem ganz speziellen Bereich des Körpers, der Uterus heißt. [8]

9-12 Jahre: Kinder im Alter zwischen 9-12 stehen kurz vor der Pubertät  und haben in der Regel viele Fragen über die Veränderungen an ihrem Körper – feuchte Träume, Brustwachstum, Periode, Körperbehaarung, um nur einige der vielen Veränderungen am Körper zu nennen. Auch wenn deine Tochter oder dein Sohn aufgrund der Antworten zunächst vielleicht etwas zurückschreckt - diese offensichtlichen Veränderungen am Körper bieten dir die Gelegenheit, mit deinem Kind auf natürliche Weise zu besprechen, was mit ihrem Körper passiert und welche Risiken bestehen, wenn sie zu früh sexuell aktiv werden. [9]

John T. Chirban lehrt an der Harvard Medical School Psychologie und ist Autor des Buches “How to Talk With Your Kids About Sex”. Laut Chirban kann das Thema Geschlechtsverkehr bei 9-12 Jährigen detaillierter besprochen werden, da Kindern in diesem Alter die Bedeutung von Sex zur Fortpflanzung bewusst ist.9 Den Kindern kann nun z.B. erklärt werden, dass Mädchen schon beim ersten Sex schwanger werden können und dass sich das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft mit Verhütungsmitteln signifikant reduzieren lässt. Außerdem sollte die Bedeutung von Verhütungsmitteln hinsichtlich des Schutzes vor Geschlechtskrankheiten verdeutlicht werden.

Ein Aufklärungsgespräch mit einem Kind im vorpubertären Alter lässt sich z.B. mit einer Frage wie “Welches Thema behandelt ihr gerade im Biologieunterricht?” eröffnen. Außerdem solltest du den Ort, an dem du solche Themen ansprichst, mit Bedacht wählen. Das Auto zum Führen eines Aufklärungsgesprächs mag zunächst ungewöhnlich klingen – das Auto also Gesprächsort hat allerdings den Vorteil, dass keine zu formelle Gesprächsatmosphäre entsteht und kein Augenkontakt nötig ist. Eine weitere Möglichkeit, um ein Gespräch auf natürliche Art und Weise zu beginnen, sind Sexszenen in Filmen. Beispielsweise kannst du dein Kind fragen, inwiefern es die Szene als realistisch empfindet und kritisch anmerken, ob die Schauspieler wohl verhütet haben.

Auf emotionaler Ebene sollten Kinder im Alter zwischen 9-12 lernen, was eine positive und respektvolle Beziehung ausmacht und was nicht.

13-18 Jahre: Als Jugendliche denken die Kinder, dass sie bereits alles über Sex wissen und keine weitere Form der Aufklärung durch die Eltern mehr nötig ist. Diese Voreingenommenheit erschwert es manchmal, mit Teenagern über Sex zu reden. Je eher du mit der Aufklärung beginnst, desto wahrscheinlicher ist es, dass dein Kind sich auch in diesem Alter noch wegen Fragen zur Sexualität an dich wendet. Jugendliche in diesem Alter sollten über die verschiedenen Verhütungsmittel sowie den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen und einer ungewollten Schwangerschaft Bescheid wissen. Außerdem ist es wichtig, dass sich Jugendliche darüber bewusst sind, dass sie in ihrem Alter hinsichtlich Sexualität noch unter besonderem Schutz stehen.[10] Trotz oder gerade wegen unrealistischer Darstellungen in Filmen oder in Pausenhofgesprächen, kannst du dein Kind auch noch einmal darauf hinweisen, dass der Zeitpunkt für das erste Mal ganz individuell ist und eine persönliche Entscheidung darstellt. Wenn es sich noch nicht bereit für Sex fühlt, darf es sich auch durch den Partner nicht unter Druck setzen lassen.

Aufklärung von Kindern – Wie sollte man das Gespräch beginnen?

Ein entspannter und ungezwungener Weg, um jüngere Kinder aufzuklären ist das Vorlesen aus einem bebilderten Kinderbuch über das Thema Fortpflanzung. Wenn die Kinder älter sind und sich Filme mit Liebesszenen ansehen, könnt ihr darüber sprechen, was in dem Film passiert: Wurde ein Kondom benutzt? Hat die Frau klar gezeigt, dass sie mit dem Mann schlafen möchte? Du kannst Filme also als Grundlage nehmen, um über Themen wie Verhütung oder sexuelle Selbstbestimmung zu sprechen.  Um eine ungezwungene Gesprächsatmosphäre zu schaffen, ist es manchmal das Beste, ganz spontan über Sex zu sprechen, z.B. im Auto oder beim Frühstück. Wenn dein Kind auf solche Gespräche nicht eingeht oder zeigt, dass sie ihm unangenehm sind, könntest du ihm stattdessen z.B. einen Link auf eine Webseite schicken, dass sich mit dem Thema Aufklärung für Kinder beschäftigt. Manchmal fällt es Kindern leichter, mit anderen Personen über das Thema Sexualität zu sprechen. Eine weitere Möglichkeit ist es daher, andere Familienmitglieder, z.B. einen älteren Cousin oder eine Tante des Kindes, zu bitten, das Gespräch zu führen. Wenn es zu einem Aufklärungsgespräch kommt, solltest du darauf achten, dem Kind auch wirklich aktiv zuzuhören, so dass es sich ernstgenommen fühlt.  

Hilfestellen 

Wenn du weitere Hilfe benötigst, um dein Kind aufzuklären, kannst du dich z.B. bei deiner Krankenkasse erkundigen, ob diese kindgerechte Informationsmaterialien zu dem Thema bieten. Außerdem kannst du dir sicher sein, dass sich fast alle Eltern mit der Frage der richtigen Aufklärung beschäftigen – warum also nicht Freunde, die selbst auch schon Eltern sind, um Rat fragen?  Möglicherweise haben diese eine Idee, wie sich ein Aufklärungsgespräch am besten führen lässt oder können dich darüber informieren, welche Themen in welchem Alter besprochen werden sollten.

 

[1] http://www.fpa.org.uk/advice-parents-and-carers/talking-with-children-aged-3-4

[2] https://www.psychologytoday.com/blog/going-beyond-intelligence/201703/call-children-s-private-body-parts-what-they-are

[3] http://www.fpa.org.uk/advice-parents-and-carers/talking-with-children-aged-5-8

[4] http://www.nhs.uk/Livewell/puberty/Pages/Startingperiods.aspx

[5] https://www.nspcc.org.uk/preventing-abuse/keeping-children-safe/healthy-sexual-behaviour-children-young-people/

[6] http://www.nhs.uk/Livewell/Talkingaboutsex/Pages/Talkingtoyourchild.aspx

[7] http://www.fpa.org.uk/advice-parents-and-carers/talking-with-children-aged-5-8

[8] http://raisingchildren.net.au/articles/sex_education_young_children.html

[9] https://www.psychologytoday.com/blog/age-un-innocence/201311/checklist-the-puberty-talk-your-daughter

[10] http://www.nhs.uk/sexualhealthprofessional/Documents/Derby%20TPC.pdf